| | Haibun
"De Beata Vita"
Vom
Deckengewölbe zu Sankt Bonifatius klingen die hellen Stimmen der
Niederdeutschen Kantorei: "Libera me ..." gefolgt von einem vollen
Bariton: "Libera eas de peonis ..."
Ein Tier blökt vernehmlich dazwischen.
Pause.
"Mutter wird ihn in der Badewanne ordentlich einweichen und abschrubben
müssen, – die weißen Stoppeln stutzen und ihn zur
Probe in einen Anzug stecken. 's wird schon werden mit der
Hochzeit. Gespartes, das besitzt er wohl. Sein Leben lang
als Knecht geschuftet und bei den Schafen soll er geschlafen
haben. Was das wichtigste ist, das wisse sie als Älteste mit
fünf Geschwistern."
"Einfach ist nicht einfach!" höre ich mich
zurückflüstern und fühle den mahnenden Blick des
Chorleiters auf mir.
Pause.
Ich trage das verirrte Schaf und meine Erinnerungen hinaus auf den
spätabendlichen Marktplatz einer ehemaligen
Ackerbürgerstadt. Meine Heimatstadt in einem anderen
Leben. Gleich hinter der Kirche beginnen die Uferwiesen.
Ich wandere über die neue Fußgängerbrücke weiter
im Marschland
verfallner Stall ich
teile meine Ruhestatt mit
dem großen Mond
© Beate Conrad
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